Von Alex W.

Ich war 19 Jahre alt, als ich daheim auszog, um mein Studium in Angriff zu nehmen und
kurz vor dem Umzug bemerkte meine Mutter, dass ihr Söhnchen vom Kochen absolut
keine Ahnung hat. Um den bevorstehenden Kollateralschaden abzuwenden, schrieb sie
mir provisorisch auf einen Schmierzettel leicht zu kochende Gerichte auf, damit
ich doch vernünftig essen könne.

Da war ich also.. 19, weit weg von Mami und Wasser abkochen hielt ich für einen
Hoheitsakt eines Chemikers, der 10 Semester studierte und sein Studium
summa cum laude abschloss.
Mir schien die Lösung gefunden zu sein, als ich mir in den Einkaufwagen haufenweise
Tütenpäckchen, Fertigessen und Tiefgefrorenes einlud. Ich war begeistert wie einfach
das alles war. Wasser rein, warmmachen, Packung rein und irgendwann, wenn es fertig
schien, vom Topf in den Mund. Als ich dann schmausend, meiner Unwissenheit ins
Gesicht lachend, in meinem Kämmerchen saß, dachte ich, dass dieses Problem nie
wieder auftauchen würde.
Das ganze ging ein Monat lang gut und ich musste an früher denken, als ich das Essen
meiner Mutter verweigerte. Den Lachs, den ich bockig stehen ließ, weil ich sagte:
“Mama, Lachs schmeckt nicht!“, wünschte ich mir im Moment so sehnlich.
Ich fing an mein Essensgewohnheiten zu umdenken.

Das erste semi-selbstgekochte Essen meiner Person waren Rühreier mit Brot und Gurken.
Das ganze mag banal klingen, doch für mich schien es als hätte ich gerade die Welt
um mehrere Meter verrückt. Ich war begeistert und im Gegensatz zu diesen Eiern
schmeckte das Tütenessen schrecklich. Ich konnte also nicht mehr zurück.
Weiter ermutigt von meiner Freundin, die mir sogar ein Kochbuch schenkte, in dem
explizit stand, wie man Eier zubereitet und von der Besitzerin dieses Blogs, die
ich liebevoll Mama nenne, habe ich mich immer weiter an Gerichten versucht.
Ich fing peu a peu an Nudeln, Reis, Weißwürste, Salat und ähnliches zuzubereiten.
Der Leser wird sich hier an dieser Stelle denken:“ Mein Gott, wie konnte dieser
Junge bloß alleine überleben, geschweige denn auf die Uni kommen, wenn er hier
versucht das Kochen von Nudeln als Wissenschaft zu verkaufen?!“
Ich möchte nochmals betonen, dass ich erst mit der Zeit lernen musste, dass Kochen
im Grunde gar nicht so schwierig ist!

Die Probe auf das Exempel hatte ich, als ich im zweiten Semester Besuch zweier Damen
bekam, die eines Essays wegen kamen und von mir bekocht werden wollten. Um die
Spannung vorweg zu nehmen – sie leben beide noch!
Sie wünschten sich Spaghetti Bolognese und „irgendeinen Salat dazu.“ Etwas aufgeregt
fing ich also an Tomaten und Schafskäse zu schneiden und nebenher in meiner kleinen
Küchenzeile die Nudeln abzukochen und die Soße zuzubereiten. Ich stand dem ganzen
kritisch gegenüber, war ich doch bisher der einzige, der essen musste,
was ich gekocht hatte…
Das Ende des Liedes war, das alles aufgegessen wurde und ich schätze mal, dass das das
größte Lob eines Kochs ist. Nun war ich bestätigt und somit beflügelt mich weiter in die
Küche zu stellen.
Die Schattenseiten des Studiums aber sind, dass man während der Klausurenwochen doch
zu Essen greift, bei dem der Aufwand und auch der Wert gleich null ist.
Zum dritten Semester zog ich aus meinem einsamen Kämmerchen in eine Wohngemeinschaft.
Ich war nun 20 und die einfachen Dinge des Kochens beherrschte ich soweit, dass Leute,
die von meinem Essen probiert hatten, immerhin ohne Magenschmerzen ins Bett gehen konnten.
Im Hinblick auf das Kochen war es das Beste, das mir passieren konnte. Immer wenn wir Zeit
haben, kochen wir gemeinsam und das Tolle daran ist nicht nur die Arbeitsteilung, sondern
das jeder vom anderen lernen kann. Dadurch lernt man immer wieder neue Dinge kennen,
lernt wie man andere Dinge verfeinern kann oder kann selbst sein kompetentes Wissen
im Raum versprühen.
Das Gute daran ist, dass wir alle immer darauf bedacht sind möglichst gesund zu kochen.

Hier bin ich nun also. Immer noch 20, aber jetzt nicht mehr ganz so hilflos und unwissend,
sondern endlich fähig ausgewogen für mich zu kochen.
Großen Dank gilt dabei Heike, deren Blog ich häufig lese und mich immer wieder an ihren
Gerichten versuche und wenn ich Fragen hatte, durfte ich natürlich immer zu ihr kommen
und mich an ihrem Wissen laben.

Falls nun also jemand da draußen sei, der mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat, der soll
doch durch diesen Beitrag Hoffnung schöpfen und sehen, dass selbst der Unfähigste mit ein
wenig Mut und Selbstvertrauen es schafft, was essbares auf den Tisch zu stellen.
Ich hoffe diesen Eindruck konnte ich vermitteln und habe mit meiner Geschichte
irgendjemand dazu ermutigt sich morgen an den Herd zu stellen und eventuell
dabei die gleiche Freude zu empfinden wie ich.

Alex kenne ich seit vielen Jahren und er ist mir und uns ein immer gern gesehener Gast.
In einem Gespräch mit ihm vor kurzem entstand die Idee, den jungen Menschen um mich
herum hier Raum zu geben, über ihre eigene kulinarische Geschichte, ihre Gedanken
dazu oder einfach nur ihre Kochexperimente zu berichten.
Dass Alex tatsächlich einmal selbst einen Salat aus gartenfrischen roten Beten zubereitet,
daran hätten wir alle vor wenigen Monaten noch erheblich gezweifelt…
Alex, ich liebe dich!