348km also. Einfach.
Im 14 Jahre alten Seat Ibiza.
Ohne Navi natürlich, dafür mit Casettendeck und Zigarettenanzünder.
Auf was hab ich mich da nur wieder eingelassen?
Aber ich wollte es ja nicht anders, der Grillkurs mit Nelson Müller
war einfach zu verlockend. Und dass ich am nächsten Tag schon früh
wieder einen Termin in der Heimat hatte, war schließlich auch nur
meiner eigenen Organisationsschlampigkeit geschuldet.

Einfahrt nach Essen. Ein erstes Ortschild führt direkt in einen Wald.
Sympathisch!
Der Lieferwagen vor mir hat hoffentlich gerade Feierabend, denn ein
Aufkleber verkündet, dass seine Firma in der gleichen Straße sitzt wie
die Kochschule. Hat er! Wer braucht schon ein Navi, wenn er genug Glück hat?

Männer umzingeln Grills, vertieft in Fachgespräche.
Grillen, die letzte Männerbastion! Feuer und Rauch, Archaik pur.
Fast.
Schnittchen und Champagner werden gereicht und vereinzelte Frauen
durchbrechen die Einheit.

Nelson Müller begrüßt, ihm folgen Wolfgang Otto von Otto-Gourmet, ein Grillmeister
von Weber-Grill und eine charmante Dame von Braufactum. Das Menü sollte von
Craft Bieren anstelle von Wein begleitet werden.

In der Küche dann die Vorstellung des Menüs, der Fleischsorten und eine Einführung
in die Zerlegetechnicken. Dann dürfen die Teilnehmer ran. Lammrücken werden zerlegt
und Schwarzfederhühner, Couscous bereitet, Kartoffeln gehöhlt, Artischocken geputzt.

Nelson Müller verabschiedet sich, muss in die Schote, will aber wieder kommen.
Seine jungen Köche leisten hochwertigen Ersatz, ihre Augen sind überall, sie greifen
helfend und freundlich ein, erklären charmant und unaufgeregt.
Das Anrichten der einzelnen Speisen übernehmen sie komplett.
Die Fotos danken ihnen.

Zwischen zwei der Gänge wird eine Querverkostung verschiedener Ribeyes eingeschoben.
Wolfgang Otto zeigt eindrucksvoll, wie viel Liebe und Wertschätzung er seinen
Produkten entgegen bringt. Diese perfekt gegrillten Steaks, ganz pur und nur mit
wenig Murray River Salz gewürzt waren allein schon ein Highlight!

Wieder zurück an die große Tafel, die nächsten Gänge folgen schon und stimmig
passen die Craft Biere zu jedem einzelnen auf den Punkt.
Spät wird es, es ist Dienstag, fast Mittwoch schon. Die ersten Teilnehmer
verabschieden sich, ohne vom auf Trockeneis gefrostetem Käsekucheneis und den
gegrillten Früchten zu probieren.
Letzte kurze Gespräche mit den Köchen und Referenten.
Müller hat es leider nicht mehr zu uns geschafft.
Ein schneller Kaffee noch und mein Seat bringt mich wieder nach Hause.
348km weit.

Menüfolge:
Schwarzfederhuhn mit Ratatouille und Sauce Rouille
Lammrücken aus dem Limousin mit Cous-Cous-Salat und Auberginenröllchen
Striploin vom US-Beef mit Maispüree und Bonesucking Sauce
Lackiertes Pluma vom Iberico Landschwein mit 2erlei Blumenkohl
Nicht in der Menükarte: Flank mit Artischocken und gefüllten Kartoffeln, Dessert.