Ich hab da mal eine unangenehme Eigenschaft.

Kann ich zwar normalerweise viele Stunden oder Tage auf
Nahrung verzichten, werde ich genau dann nervös, unfreundlich
und ein kleiner Berserker, wenn ich mich zu essen entschlossen
habe, davon aber abgehalten werde.
Gerne erlebt in fremden Städten.
Ob Paris oder Prag, London oder Amsterdam, mein liebster
Reisegefährte zog mich Stunden durch Straßen, fand das eine Lokal
zu dunkel, das nächste zu hell, eines zu voll und das andere zu leer.

Und so erlebte vor vielen Jahren auch Malaga mit uns nach vielen
gewanderten Kilometern durch die Innenstadt und allerlei missachteten
Restaurants, schon wieder den Rückweg einschlagend und langsam
verzweifelnd die Geburt eines innerlich gekochten Teufelchens.

Linke Straßenseite, letzte Chance, spanische Küche, ein Innenhof
mit Hochzeitsgesellschaft, ein Tischchen frei, fröhliche Menschen,
laute Musik, ein Glas Wein wird’s schon richten, besser zwei.
Der Teufel überfordert mit der spanischen Karte, der Kellner
überfordert mit den Gästen, ein Krabbencocktail war’s, der da
bestellt wurde.
Krabbencocktail…
Doch Hunger und Wein wirkten, rein damit, zu wenig Salz stört
auch nicht mehr, alles egal, der Bauch muss voll.

2013, Vergangenheitsbewältigung, das Ding soll endlich ins
rechte Licht gerückt werden – denn die Idee gefiel:
Die Cocktailsauce aus zwei Teilen Mayonnaise und einem Teil
Tomatenmark, gewürzt mit Tomatenessig, Zitronensaft und
getrockneten Chili und diesmal vergessen wir auch das Salz nicht.
Chicoree, Krabben aus der Salzlake, gekochte Eier, Croûtons,
Chiliringe und Schnittlauch.
Geht doch!

Beim dritten und vierten Glas warteten wir auf die Rechnung.
Der Salzstreuer kam endlich und auch der unbestellte Brandy,
die Hochzeitsgäste tanzten übermütig um uns herum und wir
zuletzt in ihrem Schatten aus dem Hof hinaus.
Verjährt Zechprellerei?
Ich hoffe sehr.