Die große Rolle war ihm verprochen worden.
Immer schon.

Tomatensalat Wildschwein Schulter Braten Rösti

Wildschweinbraten, das war sein Leben, seine Berufung.
Da taute er schön langsam auf, am Samstag, wunderte sich
sonntags nur kurz über die Schimpferei der Köchin, brutzelte dann
brav braun in Butterschmalz, ließ sich entspannt mit Lorbeer
und Rosamrin einreiben und schmorte wohlig grunzend
in vielen Stunden butterweich.
Die Sauce ahnte was, Saucen sind sensibel, weisst du?
Nicht nur durch Holundersirup und bittere Schokolade verfinsterte sich
ihr Gemüt, sondern auch durch den unsanften Schubs, mit dem sie
am Ende des Tages in den dunkeln kalten Schrank geworfen wurde.

Niemand da.
Niemand hungrig.
Der Tag ging zuende.

“Ja wo bin ich denn hier gelandet?”,
wunderte sich am Montag Martinas Tomatenessig, als er
nach unruhigen Tagen aus seiner Kiste heraus- und durch die fremde
Wohnung gewirbelt wurde.
“Jetzt haben wir den Salat”, murmelte die Sauce pampig dem Braten zu.
Indes der Braten, der noch nie was von Salat gehört hatte und
auch sonst nicht viel von Worten hielt, sich noch ein wenig enger
an die Wände seines Topfs kuschelte und über den Ausbau
seiner Karriere nachdachte.

DIE Röschti”, stellte sich wenig später die ehemalige Kartoffel vor.
Die Sauce verdrehte die Augen, der Braten übte sich in Zellteilung:
heraus kamen lächerlich trockene Scheiben.
Er war also doch kein Bakterium. Nicht dass er überhaupt gewusst hätte,
was ein Bakterium ist, aber er hatte davon geträumt. Dachte er.
In Wirklichkeit hatte der Kühlschrank sich in Hypnose versucht.

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Was keiner der drei bisher erfolgreichen Darsteller auf dem Herd ahnte
und später für den kompletten Zusammenbruch des System sorgen sollte:
Nur wenige Schritte entfernt durchbrachen wegen eines unerwarteten Sonnensturms die
letzten der für die Reife der ziemlich überraschten Tomaten nötigen Strahlen
unter exakt 45° die Atmosphäre.
“Alter!”, rief die älteste und einzige rote, während die grüngestreiften, orangekarierten
und braungefleckten sich eitel selbst im spiegelnden Fenster bewunderten.
Nur der Erfahrenheit der Alten war zu verdanken, dass sie sich schon wenig später und
einen kichernden Haufen jungen Gemüses hinter sich wissend
-”Achtung, ein LK-WATSCH! Kleiner Scherz”-
auf direktem Weg in die Küche befand.

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Auf eine solche Invasion gänzlich unvorbereitet, ploppte die Sauce ein letztes Mal auf,
die Röschti suchte hektisch zuerst nach der schweizer Flagge (was ziemlich dämlich war,
sie war schließlich eine ehemals deutsche Kartoffel), schwenkte dann aber verzweifelt
mehrere Lagen geblümtes Küchenkrepp.
Der Braten war sich nun sicher, dass die Drohung seiner Mutter, er würde als Bremsklotz
enden, völlig unbegründet war und summte Beethovens neunte.

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Zur gleichen Zeit in diesem Universum trat bei einer Köchin unter
Chorgesängen eine nicht weiter untersuchte Amnesie ein.
Braten?