War es nicht so, ganz zu meinem Anfang,
dass Nikolaus der wichtigere Dezembertag war?
Nicht, dass es da Wertvolles gegeben hätte, aber der Teller mit Mandarinen, Plätzchen und kleinen Geschenken war doch besonders.
Oder sind das nur Omas erzählte Erinnerungen, die ich da übernehme?
Ich weiss es nicht.

Was aber war, in dieser dunklen, kaltknirschenden Adventszeit dort bei Oma, zwischen Alb und Schwarzwald:

Ich erinnere mich an Andreas, den Nachbarslümmel. Der auf dem Weg zum Kindergarten noch protzte, er habe gewiss keine Angst vorm Knecht Ruprecht. Und der, als ich dann nikolausabends bei Nachbars war, sich beim ersten Klopfen an der Tür unter dem brüderlichen Doppelbett versteckte.
Sein Bruder Frank und ich aber standen da rotbebackt und strahlend inmitten der Stube, sangen und sagten auf, wurden gelobt und belohnt.
Ich erinnere mich an einen kleinen Weihnachtsbaum bei Oma, der auf diesem Tisch stand, links neben dem aufklappbaren Plattenspielerschrank mit dem kleinen s/w-Fernseher darauf. Ein Fernseher, der einen Drehknopf hatte zur Programmwahl. Drei Programme und Schweiz und Italien.
Ich erinnere mich an Onkel Josefs Krippenlandschaft, die von Dimension und Aufwand einem Eisenbahnmodell glich. Mit irisch Moos beklebt und kleinem Wasserlauf aus Folie, über der Krippe im Stall hing die Lampe mit Fahrradbirnchen und buntbemalt näherten sich heilige drei Könige vom Rand.
Staunend standen wir Kinder davor.

Ich erinnere mich an Tante Maja am Ortsrand, die wir schneebedeckt besuchten und die uns auf dem Perserteppich auszuziehen hieß. Auf dem Parkett hinterließe der tauende Schnee nämlich hässliche Flecken.
Und sie hatte wunderbare Hefeschnecken und über dem Ofen getrocknetes Obst.

Aber ich erinnere mich nicht an Weihnachten selbst. Keine Kirche, kein Festschmaus, keine Geschenke.
Das kam erst später?
Heilig Abend war sehr still.
Stille Nacht, heilige Nacht.

Ende der 70er freilich ein anderes Bild:
Die Christbäume wuchsen, die Berge von Geschenken auch.
Der Großmütter Plätzchen kamen jetzt in großen Paketen, Umschläge lagen dabei mit gebügelten Geldscheinen.
Warten auf's Christkind vorm Farbfernseher, der bald auch eine Fernbedienung bekam.
Die drei Programme, die blieben noch lang...

Manchmal wünsche ich die Farben weg.
Das grelle und schrille, das laute und glitzernde.
Wünsche Schnee und Nebel, laublose schwarze Zweige
und krächzend über Dächer ziehende Krähen.

Lasst es euch still gehen!

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Adventskalender des genialen 180°-Teams.