Zuerst einmal einen fröhlichen Gruß in die Runde und herzlichen Dank für die Einladung, ich habe heute das große Vergnügen, bei Heike einen Gastbeitrag schreiben zu dürfen. Gestatten,  susa,  von hundertachtziggrad, wo ich den Posten der Blogsommelière bekleide. Meine Aufgabe besteht darin, zu den wunderbaren Kreationen meiner Kolleginnen sowie unseres Praktikanten (*seufz, ein ganz eigenes Thema, lesen Sie sich mal in unser Blog ein, z.B. hier , und Sie wissen was ich meine) die passenden Weine zu kredenzen und ein bisschen was über Wein und alles was damit zusammenhängt zu erzählen.

Außerdem schweife ich immer gerne ab. Ganz im Gegensatz zu Heike, die die wunderbare Gabe hat, Dinge mit ein paar knappen Sätzen so passgenau auf den Punkt zu bringen, also ich brauch da immer ein ganzes Wörterbuch dazu.

Aber jetzt bin ich auch (fast) schon beim Thema, als guter Gast weiß ich, was sich gehört:

Regionale Produkte, regionale Erzeuger, die noch nach alten Techniken, handwerklich, ohne Turbochemie arbeiten, saisonale Erzeugnisse; das liegt alles im Trend, Arthurs Tochter hat angeregt, derartige Adressen zu listen, Von der Moral und viele Blogger sind der Idee gefolgt und legen Einkaufs- und Empfehlungslisten an, Eline von Küchentanz  macht das ohnehin schon sehr lange, Chef Hansen hat jetzt auch damit angefangen, German Abendbrot verschickt gleich einen Aufkleber für die Ladentür.

Da müsste man doch jetzt eigentlich mit dem Wein auch nachziehen, wieso müssen es denn Weine aus Bordeaux, Rioja, Südafrika oder Chile sein? Haben wir in Deutschland denn nicht genug gute Weine, engagierte Winzer oder Kellereien? Ja haben wir, aber …

Tja, jetzt stoße ich an meine Grenze zwischen meinem ökologischen Gewissen und meinem Bedürfnis nach Genuss und Vielfalt. Jeder (gute) Wein ist ein Individuum, mit einem ganz eigenen aromatischen Profil und das, was mir beispielsweise ein Chardonnay aus dem Burgund bietet, dieser unverwechselbare Schmelz, die samtige Textur, die fruchtig-würzigen Aromen, die typische Feuerstein-Mineralik, Komplexität, das kann mir kein deutscher oder australischer Chardonnay bieten. Genauso wenig wie ein deutscher Riesling mit dieser klaren feinen Pfirsichnote, den etwas kräuterigen Aromen, seinem Säurespiel irgendwo auf der Welt kopiert werden kann.

Nur regionale Weine zu trinken, würde mich persönlich zu sehr einschränken und erscheint mir auch als eine zu extreme Form des Protektionismus und Lokalpatriotismus. Ich kann außerdem mit meinem Nachfrageverhalten darauf achten, Weine von Erzeugern auszuwählen, die nachhaltig und Ressourcen schonend arbeiten mit Respekt vor der Natur, dem Produkt und auch ihren Mitarbeitern. Wobei das alles nicht zählt, wenn es sich nicht auch in einer exzellenten Qualität im Glas niederschlägt.

Niemand ist immer konsequent, jeder hat irgendwo seine schwache Seite, Menschen, die immer alles richtig machen, sind mir äußerst suspekt, ebenso solche, die sich einen Genuss versagen, nur um den Prinzips willen.

Aber heute bleibe ich regional und empfehle einen deutschen Wein und das nicht nur aus ökologisch-ideologisch einwandfreien Motiven, sondern einfach weil er richtig gut schmeckt und weil er passt, z.B. zum Trauben-Zwiebelkuchen , den ich hier bei Heike gefunden habe.

Der Kuchen ist herzhaft-süß und man isst ihn am besten noch ein wenig lauwarm (und wer geduldiger ist als ich, der entkerne auch die Trauben). Ich bin übrigens der Auffassung, dass wenn man Fenchelsamen zu der Masse gibt, man nicht auch noch Kümmel dazugeben muss, wenn man den nicht mag. Fenchelsamen wird die gleiche heilsame Wirkung nachgesagt, allerdings ab einer gewissen Menge Zwiebeln nützt das alles nichts mehr. Oh Mann, schon wieder abgeschweift.

Der Wein zum Zwiebelkuchen ist ein rheinhessischer Riesling. Rheinhessen galt lange Zeit als Lieferant von langweiligen, zu süßen Massenweinen; dass auf den rheinhessischen Kartoffeläckern was Gutes wachsen würde, das hat man gerne in Zweifel gezogen und ein Großteil der Erzeugnisse gab den Vorurteilen Recht. Das hat sich inzwischen grundlegend geändert, ich nenne nur ein paar Namen Keller, Wittmann, Battenfeld-Spanier, Kühling-Gillot, Manz, Dreissigacker, Wagner-Stempel, wenn die auf der Flasche stehen, dann kann man durchaus sicher sein, einen feinen Tropfen im Glas zu haben, der von engagierten, professionell und verantwortungsbewusst arbeitenden Winzern erzeugt wurde.

PettenthalGleiches gilt für das Gut St. Antony in Nierstein, dessen Großes Gewächs

2009 Riesling Pettenthal

eine wunderbare Ergänzung zu diesem rustikalen aber ganz kösichen Genuss ist.

Der Wein duftet nach Gartenkräutern und frischem Gemüse, Pfirsich und Zitrusfrüchten und schmiegt sich sanft und schmeichelnd an den Gaumen. Man schmeckt zunächst die klare Süße und eine Textur, die ein wenig an Bienenwachs erinnert, Aromen von reifem Pfirsich, exotischen Früchten, Äpfeln und kühlen Mineral, recht kräftig und eine angenehme Süße im Zusammenspiel mit feiner Säure. Der Abgang ist kräftig und recht lang, 12.5 vol% Alkohol.

Prost!