So war das also.

Manchmal bin ich ganz geizig im Teilen meiner Erfahrungen, aber überrascht von so vielen positiven Reaktionen und Zuspruch entscheide ich mich, doch etwas länger über meine Eindrücke zu schreiben.

Wie angedeutet, fing es auf einer großen deutschen Kochseite an.
Über viele Jahre landete ich regelmäßig bei Dorothées Rezepten, wenn ich was suchte.
Oft auch erst auf der vierten Seite sortiert nach Beliebheit, wenn ich beispielsweise nach Thunfisch suchte, aber keinen aus der Dose meinte.
Und so schrieb ich sie an, bedankte mich für ihre vielen Mühen und stellte eines meiner Fotos zur Verfügung.

Thunfisch Mango Kruste bushcook

Beileibe kein Foto, auf das ich heute noch stolz wäre. Aber hey! Ich war Anfänger!

So entstand ein loser Kontakt und erneut schrieb ich sie letzten Sommer zur Fussball-WM an, als ich ein “African Barbecue” plante.
Sie war sofort zur Stelle und unterstützte mich liebevoll bei meinem Vorhaben.
Dass mein “European Springbock” eigentlich eine Rehkeule war, störte keinen.

Rehkeule Grill Salzteig

Im Hintergrund meine dreivier Brüder, mein Vater und meine Schwägerin. Die tatsächlich an meinem Vorhaben zweifelten!

Eines Abends Ende Februar, es war bestimmt Montag – weil montags bebt das Internet – kam ihre völlig unerwartete Anfrage:
“Magst du mit mir zu den Topfgeldjägern gehen?”
Uff.
Zwei Sekunden später hatte ich mit “JA!!!” geantwortet.
Ich wollte.
Ich hatte schon seit Monaten eine Kochpartnerin gesucht. Oder wenigstens eine Partnerin. Irgendwas weibliches, das bereit war, sich im Notfall auch zum Affen zu machen.
Mit meiner liebsten Heike Ames ging es nicht: Wir beide hatten schon die Küchenschlacht gewonnen und solche Kombinationen waren nicht erwünscht.
Also Dorothée.
Nach einem ersten Telefonat waren wir uns einig:
Das ist ok. Das kriegen wir hin. Wir kennen uns zwar nicht, aber was soll’s?
Sich zum Affen machen ist so schwer nicht.
Klappt.

Die Produktion meldete sich schnell und wir hatten einen ersten Termin zur Aufzeichnung fünf Wochen nach der Bewerbung.
Au weia!

Aber es sollte eine Gelegenheit ergeben, uns vorher schon kennenlernten:
Das Kochevent in Neumarkt, ausgerichtet vom Grumpf.
Neun Stunden, neun Gänge, guter Wein.
Alles war gut.
Ich kochte zwar nichts, Dorothée umso mehr.
Sie fand mich immer noch gut.

Der Sendekonzeption schuldend, konnten wir im März doch nicht kochen. Mussten warten bis jetzt.
Ich schrieb merkwürdige Beiträge.

Wer von uns die Desserts macht, war das größte Problem: Ich esse kaum Zucker, Dorothée kann nicht mit Mehl kochen.
Meine Voraussetzungen waren die besseren.
Wochenlange Übungen mit Mehlspeisen aus den Grundzutaten die Folge.
Gelogen:
Vier Desserts habe ich mir zurechtgerechnet auf je ein Ei und einmal getestet.
Creme Caramell, Salzburger Nockerl, Île flottante, “Russische Zigarren” als Rollen oder Blätter.
Nichts davon hab ich gemacht…

Und dann kam es einfach über uns.
Zum ersten Termin im Studio geht es gleich los, Warenkorb, Maske, Menü zurechtbasteln und aufschreiben, umziehen, Kücheneinweisung und Verkabelung.
Meine Merkkärtchen für die Desserts liegen im Hotel.
Egal, irgendeinen Teig bekomme ich schon hin.
Wir sortieren bei jedem Warenkorb die Zutaten nur nach den Gängen und verlassen uns darauf, dass die jeweils andere ihr Ding reisst.
Nur ein Herd. Vier Platten. Auch das darf man nicht unterschätzen.

In der dritten Sendung stapeln wir Pfannen auf Töpfen und umgekehrt.
Dorothée fragt, ob wir Hensslers Herd nicht vielleicht doch benutzen dürfen.
Später werden uns die Damen von der Hühnerstange sagen, dass sie erst in der vierten Sendung gesehen haben, dass es nur einen Herd gibt.
Oh unser Fanblock!
Ich danke euch so!
Mädels mit Pauken und Trompeten und sogar Fanshirts.
Gottseidank haben sie Honey Pie doch nicht gesungen.

Wieder keine Zeit vorm Finale.
Sauerkraut ist im Warenkorb. Ich muss lachen.
Sauerkraut!
Hatte Dorothée nicht bei der Bewerbung schon geschrieben, dass sie nur und ausschliesslich Sauerkraut nicht mag?
Sauerkraut, Blutwurst und Oregano aus dem Warenkorb ergeben zwangsläufig die Vorspeise.
Eigenich.
Eine Vorspeise aus Birnen, Gorgonzola, Walnüssen und irgendeinem Teig ist Dorothée zu riskant.
Ein Dessert aus Birnen, Gorgonzola, Walnüssen und irgendeinem Teig auch.
Also mache ich die eigentliche Vorspeise.
Ich habe keine Lust mehr auf Desserts und beschließe, einen salzigen Pfannkuchen mit frucht-scharf-pfeffriger Sauce zu machen.
Auf Dorothées Hauptgang muss ich nicht achten, sie kann es.

Dass meine Wiederholung von drei Törtchen zuvor Kritiker in Foren auf den Plan ruft, werde ich erst später erfahren.
Wenn die wüssten!

Die Pfannkuchen sind keine gute Idee.
Ich benötige dafür zwei von vier Platten und zwei von vier Pfannen.
Meine Vorspeise braucht zwei von vier Platten und zwei von vier Pfannen.
Die Logistik streikt.
Wir stapeln erneut.
Diesmal nicht nur tief, sondern auch mit Mühe.

Wir bekommen unsere Gerichte auf die Teller und vor Rosin.
Unsere Konkurrenten schenken uns danach schweizer Schokolade.
Ich bin am Ende. Möchte für mich sein, verlasse das Studio.
Esse 200gr Schokolade.

Gehe mit Dorothée abends nur deswegen nicht noch den Körper auf Insulin bringendes bekanntes Fast-fooden um die Ecke, weil uns der Barkeeper nach einigen Drinks 300 Meter weiter zum Burger-Garten an der Vierspurigen schickt.
Auf dem Rückweg zum Hotel lässt mein Glutamat-Anfall nach.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück trinken wir Becks mit Petra, Bo Frederiksen und Torben Jensen.

Danke!
Ganz besonders auch den Männerteams, die uns alle wohlgesonnen waren.
Ich hatte so eine gute Zeit mit euch allen!