Manchmal,
wenn mich das Verlangen packt,
dann spreche ich fremde Männer an.
Fremde Männer in grünen Parkas, mit Bart.
Beim Einkaufen, auf der Straße, beim Spazieren.
“Nein, ich sehe nur so aus”,
antworten sie dann auf meine Frage, ob sie vielleicht Jäger seien, und stecken dabei eine Hand lässig in die Tasche der ledernen Kniebundhose.
Ob sie wenigstens wisse, wo man Wild kaufen könne, ist dann meine nächste verzweifelte Frage an die blondtoupierte Gattin in Pelz, die mich zu diesem Zeitpunkt schon mit hochgezogenen Augenbrauen mustert.
“Neee! Wiedersehn!”

Frage ich in den Metzgereien der Umgebung, folgt nach einem kurzen Auflachen der Hinweis, dass die Leute das doch gar nicht mehr mögen.
Der Kraichgau, Hügelland zwischen Schwarzwald und Odenwald.
Wildlos?
In den späten Jahreszeiten bieten es zumindest Restaurants an, kurz vor Weihnachten auch manche Metzgereien.
Aber Reh- und Rotwild hat Saison! Jetzt!

Und da laufe nun ich wie alle paar Wochen im Taunus durch einen Supermarkt, die letzten Zutaten für mein regelmäßiges Kochen dort besorgend und im vorbeigehen schaue ich in eine dieser Kühltruhen mit abgepackten Fleisch und mein Blick trübt sich, mein Kinn fängt an zu beben und fast bin ich versucht, alles mitzunehmen, bevor es andere tun:
Frisches regionales Wildfleisch, ganz simpel über Rewe vermarktet!
Und weil das Rehfilet zum Kilopreis von € 30,00 ein Viertel billiger war als der Rehrücken, fiel meine Entscheidung schlussendlich doch leicht.

Reh Filet Whisky

Vielleicht mögen wir Wild deshalb nicht im Sommer, weil wir nur winterliche Rezepte kennen?
Das lässt sich ändern!
Für den Anfang bin ich nicht zu weit gegangen, habe mit Pfifferlingen kombiniert, Kartoffelstampf und einer Whisky-Honig-Sauce.

Reh Filet Whisky

Rehfilet:
Zu Schnecken drehen, salzen, pfeffern und kurz sanft anbraten. Im Backofen bei 80°C abgedeckt garen.
Vorm Servieren in aufgeschäumter Butter, mit Rosmarin und angedrückten Wacholderbeeren arosieren.

Kartoffelstampf:

Kartoffeln kochen, ausdampfen, stampfen. Mit Milch, Olivenöl, Salz, Petersilie abschmecken.

Pfifferlinge:

Gut säubern, recht heiss knackig braten. Sie müssen dabei “pfeiffen”. Keine Flüssigkeit entstehen lassen!
Grosse Pfanne, wenig Pilze.

Whisky-Honig-Sauce:

Schalotten und wenig Knoblauch mit möglichen Fleischabschnitten glasig schwitzen, etwas Honig dazugeben und karamellisieren.
Dann mit Whisky ablöschen.
Mit Wildfond aufgiessen, Pfefferkörner, eine Scheibe Frühstücksspeck, Rosmarin dazugeben und reduzieren.
Passieren und bei Bedarf mit Stärke oder Butter binden.

Reh Filet Whisky

Ganz ohne Garnitur Baden-Baden – geht doch!