Lebensmittel im Wert von € 350,– werfe jeder Bundesbürger jährlich weg,
sagte mir das Radio und man solle sich schämen.
Kurz überschlagen: Das ist ja nichtmal n Euro am Tag?!
Und dennoch: Drei Bundesbürger und zwei Bundeskatzen leben in meiner Wohnung, da kommt schon was zusammen.

Ein wenig recherchiert und hier gab es aufgeschlüsselte Information:

Zeitgeist trifft Kühlschrank: Junge werfen mehr Lebensmittel in den Müll
Mehr als 20 Prozent der gekauften Lebensmittel landen im Müll. Pro Kopf – vom Baby bis zum Greis – sind das in Deutschland 80 kg.
Bonn – Das ist das Ergebnis einer im Mai auf der SaveFood-Tagung der Interpack vorgestellten Studie der Firma Cofresco. Weitere Studien, die die FAO für die Veranstaltung beauftragt hatte, sorgten ebenfalls für großes Medieninteresse. Interessant ist unter anderem ein Blick auf die Altersdifferenzen: Der Anteil weggeworfener Lebensmittel nimmt mit steigendem Alter ab und ist besonders hoch bei den 20- bis 39-jährigen. Haushalte mit mehr Personen und jüngere Haushalte werfen besonders viel weg.
Die Forscher ermittelten, dass Mahlzeiten ab 40 besser geplant werden. Das führt zu weniger Lebensmittelmüll. Jüngere Menschen neigten auch eher zu spontanen und unbegründeten Einkäufen so lange wie der Kühlschrank noch Platz habe. Auffällig auch, dass der Anteil weggeworfener Lebensmittel in Haushalten mit einem Einkommen bis zu 1.5oo Euro, aber auch da wo besonders gebildete Menschen leben, überdurchschnitich hoch ist.
Der Kölner Psychologe und Marktforscher Stephan Grünwald stufte auf der Veranstaltung den Kühlschrank als eine Art Gefühlsapotheke ein. Es gehe darum, jederzeit für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Das beziehe sich nicht nur auf eigene Stimmungsschwankungen, sondern auch auf mögliche eigene Aktivitäten. Bestimmte Produkte enthielten eine Art akuter Aufforderung zum Handeln: aktiv sein, feiern, genießen, … Irgendwann aber könne der Mensch dem ständigen Handlungsappell der Produkte nicht mehr Stand halten und dann sei jede Rechtfertigung zum Wegwerfen recht, auch das Mindesthaltbarkeitsdatum. Das schlechte Gewissen sei aber immer dabei.

Ok.
In steigendem Alter bin ich (wer denn nicht, mh?), also werfe ich weniger weg.
Der Anteil an 20-39jährigen in meinem Haushalt geht meistens gegen Null.
Dafür aber ist’s ein Haushalt mit mehr Personen (als was?).
Mahlzeiten ab 40 werden besser geplant. Alter oder Personen? Vermuich das Alter.
Neneneneeee, die wissen das nicht! Zudem plane ich meine Einkäufe sowieso schon immer!
Jetzt bin ich aber auch wieder ganz jung, weil manchmal komm ich spontan nicht an besonders schönen Sachen vorbei.
Ausserdem hab ich zwei Kühlschränke und sogar einen dritten eine Wohnung weiter.
Verzeiht bitte…
Damit dürfte mein Einkommensbereich auch geklärt sein und natürlich bin ich überdurchschnitich gebildet, gell?

Dann mal auf in die Gefühlsapotheke:
Jawoll!
Essen ist Gefühl, Lebensart, Genuss, Farbe, Geruch!
Aber bauen vorhandene Lebensmittel wirklich einen Handlungsdruck auf, dem man nicht mehr standhalten kann und sie deshalb wegwirft? Dem geh ich nach!

Warenkorb Karotte Zwiebel Knoblauch Nudeln

Ich hab mal eben all die Lebensmittel aufgereiht, die mir psychisch grad voll zu schaffen machten und war stark genug, sie nicht wegzuwerfen.
Ihr seht, ich bin auf einem guten Weg!
Nach kurzer Diskussion waren sie bereit, sich im Pfannenkreis zu versammeln und Rezepte singend und tanzend wurde beschlossen:
Liebe 20-39jährigen Singles mit guter Bildung unter €1.500,–/Monat:
Die halbe Zucchini, vier Karotten, angebrochene Nudeln, offener Sauerrahm (nur der von Bio-der andere nahm nicht teil!), Olivenöl, grüner Speck, Frühlingszwiebeln, Knoblauch, Anchovis und Parmesan werden ihre Machtposition bis auf weiteres verlassen und sich willig dem -also euerm- Genuss hingeben.
Hab ich gern gemacht!

Nudelpfanne Karotte Zwiebel Zucchini Parmesan

Die Kräuter lächelten übrigens nur kopfschüttelnd vom Garten rein.