Ich werd’ irgendwie wunderlich.
Oder wieso lese ich sonst seit neustem Bedienungsanleitungen?
Ich kann es auch nicht mehr verbindlich mit Lesezwang erklären, wenn ich mich beim Lesen einer Bedienungsanleitung eines Bilderrahmens erwische. Oder eines Fusselrollers. Oder eines Kochtopfs.
Kein Mensch geht da von überraschenden Funktionen aus.
Einen geheimen Knopf drücken und dann springt George Clooney raus und singt man of constant sorrow?
Fänd ich gut, vielleicht lese ich sie deswegen. Man soll ja die Hoffnung nie aufgeben.
Stell dir vor, dein neuer Kochtopf hätte diese Funktion und du wüsstest nichts davon!

Vor ein paar Monaten noch hätte ich die Bedienungsanleitung des digitalen Bratthermometers mal besser nicht sofort weggeworfen. Ich blick das Ding nämlich bis heute nicht und es piept täglich mehrfach, wenn es in seiner Schublade entweder zu heiss oder zu kalt oder zu lang…

Gestern hab’ ich die vom neuen Herd gelesen. Rechtsrumdrehen heisser, linksrumdrehen kälter. Überraschend!
Und heute die von Gerstengraupen.
Mensch, das wusste ich bisher ja gar nicht, dass man die über Nacht einweichen soll? Blöde ist das, die sollte es doch schon 30 Minuten später als Suppe geben!
Experimentierfreudig hab ich das also gemacht wie immer. Naja, fast immer. Sicherheitshalber hab ich die Suppe und die Graupen getrennt gekocht. Hätte ja sein können, dass moderne Graupen wirklich unbedingt eingeweicht werden müssen.
Moderne Kinder werden ja auch erst geboren, nachdem man die Mutter eingeweicht hat.

Graupen also irgendwie gekocht. In Brühe mit einem Lorbeerblatt.
Daneben habe ich Bauchspeckwürfel angebraten, Kartoffel-und Karottenwürfel auch und Zwiebeln. Mit Brühe aufgegossen und im Wetauf mit den Graupen gegart. Lauch hatte ich nur noch getrockneten, der kam auch dazu. Und viel Sahne.
Abgeschmeckt habe ich mit Salz, Pfeffer, Muskat, ein klein wenig Senf und Zitronenabrieb.
Darüber geröstete Kürbiskerne und Petersilie.
Alles im allem ein wirklich unspektakuläres Essen:
Die Graupen waren natürlich rechtzeitig gar, meine Mittagspause hat wieder mal gereicht, ein weiteres einfaches Wintergericht wanderte in die Teller und George sang leider auch diesmal nicht.

Graupensuppe

Jetzt geh ich aber schnell mal die Bedienungsanleitung vom neuen Toaster lesen.
Hab’ nämlich so Lust auf Toast Hawaii.
Wunderlich.