Viele von uns sind noch mit den Grimm’schen Märchen aufgewachsen, mit dem Struwwelpeter und mit Max und Moritz.
Alles Kinderbücher aus dem 19. Jahrhundert, in dem Kinder teilweise noch von böser Natur galten und deren Willen mit Gewalt und Zwang gebrochen werden sollte. Parallel dazu entwickelten sich andere Sichtweisen kindlichen Verhaltens und modernere Erziehungsmethoden. Und so entstanden Kinderbücher, die … viele von uns ihren eigenen Kindern heute nicht mehr abends im Bett vorlesen.

Schade eigentlich.
Ich habe es geliebt, vom Opa Max und Moritz vorgelesen zu bekommen und später dann zusammen mit ihm auch die anderen Werke Buschs. Trotzdem hab ich selbst den Busch nur ein einziges Mal abends mit ans Nachwuchsbett genommen und mir war unwohl dabei. Die Raupe Nimmersatt und Janoschs Tigerente waren irgendwie … angesagter.
Dabei hab ich doch überhaupt keinen Busch’schen Schaden erlitten, oder?

Doch!
Ich steh’ auf Brathähnchen und nicht nur, dass ich an keinem Stand vorbeikomme (Hähnchenschenkel fahrend im Auto zu essen ist NIE eine gute Idee), nein:
Diese Woche hat mich Arthurs Tochter so heiss gemacht auf knuspriges Federvieh, dass ich den Metzgerwagen-Donnerstag kaum erwarten konnte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass an dieser Leidenschaft Busch schuld ist. Und Opa, der Hähnchen über dem Grill auf dem Drehspieß gar meisterlich im Stillen und in Ehren zubereitete. Angeln musste ich sie nie. Er hat sie mir freiwillig gegeben!

Brathaehnchen

AT’s Rezept stand also zur Überlegung, aber ich hätte mein bisschen guten Paprika erst räuchern müssen. Und Hamburg kocht riet mir, den Gockel auf Flasche oder Dose zu grillen.
Aber wie ich dann davor stand, wurde es doch wieder ganz anders:
Zitronenscheiben unter die Haut, Paprika-Salzöl auf die Haut, ein Strauß getrockneter Thymian in den Bobbes. So habe ich ihn einfach nur ein einer großen Metallform gebraten bei 175°C, nach knapp einer Stunde kleine Kartoffeln, Zitronen, Ingwerscheiben, rote Paprikahälften und Knoblauch dazu gegeben und nochmal 30 Minuten weitergebraten. So wird er zwar auf dem Rücken nicht knusprig, aber ich konnte zwischendurch zurück ins Büro gehen :)

Brathaehnchen

Die gegarte, geschälte Paprika wurde dann zusammen mit etwas Öl, Salz, Knoblauch schaumig püriert (ich hatte im Schredder vorher getrocknete Chili gemahlen, die hing da noch drin. Das gehört da also auch dazu).
Morgens hatte ich ein kleines Weißbrot gebacken, damit ließ sich das Hähnchen-Kartoffel-Zitronen-Gewürzöl und die Paprikacreme so schön tunken.
Insgesamt ein sehr unaufwendiges Gericht und weil ich keinen Kamin hab, konnte auch keiner was wegangeln.

Paprikacreme

Wo ich so drüber nachdenke: Die Frau Bolte holt Sauerkraut aus dem Keller, ja?
Auf Sauerkraut steh ich auch ziemlich…