Ich wollte Kaninchen machen.
Geht ganz einfach:
Das Kaninchen im Ganzen oder vier Teilen zusammen mit Kartoffelvierteln, Zitrone, halben Knoblauchknollen, Thymian und Rosmarin auf einem Blech verteilen, gut ölen und salzen und bei 175°C im Backofen garen.
Nach Geschmack kann man nach und nach noch Gemüse dazulegen, so dass am Ende alles gleichzeitig gar ist.

Vor ein paar Jahren noch kannte ich uralte Männer in blauen Latzhosen und mit riesigen Händen, in jeder mehrere vorzeiiche Werkzeuge, die einen woros durch sorgsam bearbeitete Gärten führten und einem direkt im kleinen Stall ein abgezogenes Langohr verscherbelten.
Sind wohl alle ausgestorben.
Also hab ich beim Rewe angerufen, die werden ja jeden Tag ein bisschen besser.
- “Rewe Neulandstraße, Ludwig?”
- “Guten Tag. Ob ich bei Ihnen ein Kaninchen bestellen kann?”
Den Geräuschen nach -er kam ausser Atem- hat mich Herr Ludwig im Laufschritt durch den großen neuen Rewe getragen.

“Hallo, Fleischabteilung hier?”, kam es dann doch endlich aus dem Hörer.
Ihr kennt die Stimme, die alle Fleischereifachverkäuferinnen haben?
Kein Problem meinte sie, ich könne das Kaninchen Mittwoch abholen. Perfekt!

Mittwoch stand ich also mit Einkaufwagen voll übriger Zutaten erwartungsfroh vorm Chef der Abteilung.
- “Kaninchen?” Nein, Kaninchen hätten sie schon lange nicht mehr.
- “Aber Ihre Mitarbeiterin…”
- “Nein, Kaninchen führen wir gar nicht mehr”
- “Aber…”
- “Wegen des Tierschutzes!”
- “Aber…”
- “Seit Ostern schon nicht mehr”

Vermuich starrte ich ihn noch lange an.
Ich weiss es nicht.
Ich kann mich an die nächsten Stunden nicht erinnern.

ZitronenhuhnHähnchen führen sie anscheinend noch.